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Erlenbach Dorf 305, Brunnenhaus

Verborgene Inschrift enthüllt die Baugeschichte des «Brunnenhauses»

Bei der Fassadenreinigung eines der ältesten Häuser in Erlenbach hat der Restaurator eine vergessene Inschrift im Holz entdeckt. Sie klärt nach Jahrhunderten, wer das prächtige Gebäude nach dem Dorfbrand von 1766 in Auftrag gab – und welcher berühmte Zimmermeister es errichtete.

Die prächtigen Wappen der ortsansässigen Familien Karlen und Ueltschi zieren das Giebelfeld (Foto: Barthlome Imobersteg).

Das prächtige Wohnhaus mitten in Erlenbach trägt viele Namen. Das nach dem Dorfbrand 1766 erbaute Gebäude heisst zum einen wegen des vorgelagerten Dorfbrunnens «Brunnenhaus». Zum anderen fungieren auch zwei seiner bekannten Bewohner als Namensgeber: «Rebmannhaus» nach Johan Jakob Rebmann respektive «Vepyhaus» nach einem ungarischen Adeligen. Die beiden prächtigen Wappen im Giebelfeld können hingegen den ortsansässigen Familien Karlen und Ueltschi zugeordnet werden. Doch wer gab dieses prächtige Haus in Auftrag und welcher Zimmermeister baute es?

Im Zuge der Dachsanierung reinigte man auch die Fassade. Der Restaurator Barthlome Imobersteg war damit beauftragt, die Wappen im Giebelfeld und die bemalte Dachründe zu restaurieren. Aus Erfahrung leuchtete er die gesamte Fassade zuerst mit Streiflicht ab. Dabei entdeckte er leicht hervortretende Stellen im Holz. Ein solches Relief entsteht, wenn bemalte Flächen langsamer altern als der Hintergrund. Imobersteg fuhr den Konturen mit weissem Farbstift nach – und eine Inschrift wurde sichtbar: «Dieses Haus ist Gebouen Durch Hans Karlen und Katharina Ultschi. Gott Beschütz imerdar. Hans Messerli Zimermeister war.»

Wappen und Inschrift passen zusammen. Hans Karlen und Katharina Ultschi gaben den Bau des Hauses unmittelbar nach dem grossen Dorfbrand in Auftrag. Bedeutsam ist, dass es nun eindeutig dem berühmten Simmentaler Zimmermeister Hans Messerli zugeordnet werden kann. Dies führt zum Schluss, dass er wohl auch einen Grossteil des übrigen Wiederaufbaus in Erlenbach ausgeführt hat. Die schnelle Bauausführung und die Anordnung der neuen Häuser zur Strasse zeigt, dass dem Wiederaufbau eine durchdachte Planung zugrunde lag. Mit seinen Bauten in Erlenbach und Därstetten gehörte Messerli zu den bekanntesten Zimmermeistern des Tals – der Name stand seit Generationen für hochwertiges Handwerk. Die Denkmalpflege unterstützt die Restaurierung der Inschrift mit finanziellen Mitteln, damit sie künftig wieder für alle lesbar ist.

Text: Fabian Schwarz

Fotos: Barthlome Imobersteg

Fachwerk 2026

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