Altes Handwerk, neue Energie
Mit grossem Respekt vor der Geschichte und einem klaren Blick in die Zukunft hat die Gemeinde Trubschachen ihr Dorfschulhaus von 1881 behutsam saniert und für die heutige Nutzung fit gemacht. Dank einer seltenen Glastechnik aus dem frühen 20. Jahrhundert und modernem Dreifachglas vereint das sanierte Dorfschulhaus Trubschachen historisches Erbe und zeitgemässen Komfort.

Die Gemeinde Trubschachen entschied sich – anstelle eines Neubaus – für die Sanierung des Dorfschulhauses von 1881. Die neue Nutzung passte man behutsam in die bestehenden Strukturen ein, so dass die Spuren der reichen Geschichte des Schulhauses erhalten bleiben. Bewusst entschied man sich unter anderem für neue Fenster, um das Gebäude energetisch zu ertüchtigen. Sie wurden dreifach verglast und die Scheibenzwischenräume mit Gas gefüllt. Für die Aussenscheibe hat man Ziehglas verwendet. Dieses bewahrt den bauzeitlichen Charakter – ohne Einbussen bei der Isolation.
Diese Methode zur Herstellung von Flachglas in grossen Mengen wurde im frühen 20. Jahrhundert entwickelt: Geschmolzenes Glas wird durch eine Form nach oben gezogen, wobei es langsam zu einer flachen Glasscheibe erstarrt. Weil das Glas unregelmässig abkühlt, entsteht in diesem Verfahren die leicht wellige Oberflächenbeschaffenheit. Heute gibt es noch ein paar wenige Hersteller, die dieses Glas anbieten.
Dank gelungener Zusammenarbeit aller Beteiligter – Bauherrschaft, Nutzerinnen und Nutzer sowie Planende – konnte man den Schulbetrieb im frisch sanierten und modernisierten Schulhaus wieder aufnehmen. Für ihr Engagement wurde die Gemeinde von der Fachkommission für Denkmalpflege des Kantons Bern mit dem Spezialpreis 2026 ausgezeichnet. Sie hat mit dem Erhalt des Gebäudes und seiner ursprünglichen Nutzung einen wertvollen, baukulturellen Beitrag geleistet.
Massnahmen
Gesamtsanierung mit Lifteinbau, 2023–2026
Bauherrschaft: Gemeinde Trubschachen
Architektur: Johannes Saurer, Atelier Sattler, Thierachern
Baufachleute: Indermühle Bauingenieure GmbH, Thun (Holzbau); Malergeschäft Wittwer AG, Langnau; Rothenbühler AG, Zollbrück (Schreinerarbeiten); Schreinerei Eichenberger GmbH, Trub; Schreinerei Roth AG, Trubschachen; Stettler Polybau AG, Eggiwil (Schindelfassade); Schreinerei und Fensterbau Wüthrich GmbH, Eggiwil; Xeros Landschaftsarchitektur GmbH, Bern; Zimmerei Hirschi AG, Trub
Denkmalpflege: Daniel Gygax
Unterschutzstellung: Kanton 2025
Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/SID), Bund (BAK)
Das Baudenkmal in Kürze
Schulhaus von 1881 mit Umbau von 1950
Das Schulhaus steht erhöht über dem Dorf, auf einer Geländeschulter. Es ist ein Ständerbau mit Holzschindelverkleidung und einzelnen massiven Gebäudeteilen. Das markante Viertelwalmdach besitzt parabelförmige Ründen und Zopfbüge. Die westliche Fassade ist klar gegliedert, die Fenster in Gruppen zusammengefasst. Den Grundstein legte Baumeister Stämpfli aus Zäziwil: 1881 erstellte er ein typisches Landschulhaus mit Schulzimmern, Dienstwohnungen, Turnhalle und Suppenküche. Um 1950 entschied sich die Gemeinde gegen einen Neubau und beauftragte den Architekten Friedrich Stalder mit dem Ausbau. Er erweiterte das Gebäude durch neue Treppen- und Toilettenanlagen zu einem Kubus, stockte es auf und versah beide Giebelseiten mit einer traditionellen Ründi.
Die Aussenscheiben der dreifach verglasten Fenster sind aus Ziehglas gefertigt (Foto: Thomas Telley).
Die seltene Ziehglas-Technik bewahrt den bauzeitlichen Charakter der Fenster (Foto: Thomas Telley).
Die Zone rund um die Treppenanlage von 1950 wurde restauriert; der Terrazzo Fussboden ist stellenweise mit neuen Platten ergänzt (Foto: Thomas Telley).
Im neu ausgebauten oberen Dachgeschoss ist ein grosszügiger Raum für verschiedenste Zwecke entstanden (Foto: Thomas Telley).
Der Parkettboden und das bauzeitliche Täfer wurden wieder verwendet. Ergänzungen und das Mobiliar sind aus hellem Tannenholz gefertigt, die Deckenverstärkungen sind mit Gipsfaserplatten verkleidet (Foto: Thomas Telley).
Die Schindelfassade mit der filigranen Gliederung wurde sorgfältig restauriert (Foto: Thomas Telley).
Text: Lina Dänzer
Fotos: Thomas Telley
Fachwerk 2026