Beata erblüht
Der sanfte Umbau zu drei Wohnungen ist ein gelungenes Beispiel für den respektvollen Umgang mit historischer Bausubstanz und zeitgemässem Wohnen.

Ursprünglich als elegantes Einfamilienhaus für Postverwalter Horisberger erbaut, blickt die Jugendstilvilla Beata in Spiez auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Unter anderem diente sie auch als Pfarrhaus der katholischen Kirchgemeinde. Der einst als pittoreske kleine Parkanlage angelegte Garten verwilderte und wuchs langsam zu.
Frühere Umbauten hatten dem Gebäude viel von seiner einstigen Lebendigkeit genommen und seine Besonderheiten verborgen. Die behutsame Sanierung hat die einstige Farbigkeit wieder ans Licht gebracht: Prägetapeten, Holzmaserierungen und Wandmalereien legte man in Handarbeit frei und ergänzte sie wo nötig. Besonders auffallend ist das prachtvolle Nebeneinander verschiedener Farbstimmungen. Die Villa Beata zeigt wieder ihre Blüten.
Die Dachziegel der einstigen Ziegelei Glockenthal wurden sorgfältig demontiert und durch die jetzige Eigentümerschaft von Hand gereinigt. Die Fenster ertüchtigte man samt ihren historischen Beschlägen. Die freigelegte Riegkonstruktion des Erkers rundet schliesslich den äusseren Gestaltungsreichtum der Villa ab. Im Inneren ist die Villa nun – durch Trennwände im Treppenhaus – in drei eigenständige Wohneinheiten aufgeteilt. Bei Bedarf können die Trennwände ohne Verletzung der historischen Bausubstanz zurückgebaut werden. Die historische Zimmeraufteilung wurde belassen.
Die grosszügige Gartenanlage wurde auf Basis eines historischen Plans mit eingezeichneten Wegen wieder hergestellt. Sie bietet allen Bewohnenden einen Rückzugsort.
Massnahmen
Gesamtsanierung und Umbau, 2023–2025
Bauherrschaft: Therese Bärtschi Marti und Adrian Marti, Frauenfeld
Architektur: Müller Architekturbüro GmbH, Frauenfeld
Baufachleute: AATO Haustechnik GmbH, Reichenbach im Kandertal (Heizung); Aldega Derron AG, Spiez (Parkettböden); Bettschen Baumpflege, Reichenbach im Kandertal; Brügger Keramik AG, Frutigen (Plattenarbeiten); Eisenegger Fenster GmbH, Harenwilen; Loretan Ofenbau & Plattenbeläge GmbH, Reichenbach im Kandertal; Rösch Malerei + Gipserei AG, Frutigen; S. Mürner Bagger- + Lohnarbeiten GmbH, Reichenbach im Kandertal; thama holzbau gmbh, Reichenbach im Kandertal; Von Känel Bau GmbH, Scharnachtal (Baumeisterarbeiten)
Denkmalpflege: Daniel Carvalho de Seixas
Unterschutzstellung: Kanton 2001, Bund 2025
Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/SID), Bund (BAK)
Das Baudenkmal in Kürze
Villa Beata von 1905; zeitweilig Pfarrhaus
Es handelt sich um ein hochwertiges, verputztes Gebäude in Massivbauweise mit einem klassischen Walmdach und einem quer verlaufenden Dachfirst. Die Fassade ist durch Elemente aus Kunststein übersichtlich gestaltet. Besonders auffällig ist der Treppenturm, der durch ein grosses Rundbogenfenster beeindruckt. Sowohl die Giebel als auch der Turm sind mit verzierten Stangen und Wetterfahnen geschmückt. Ein hoher Kamin mit eigenem Schutzdach rundet das Erscheinungsbild ab. Das Haus besitzt eine eindrucksvolle Jugendstiltür, die in dieser Form einmalig in Spiez ist. Es wurde in Riegbauweise errichtet. Die Fenster weisen feingliedrige Sprossung auf, wobei die Oberlichter eine eigene, ungewöhnliche Gestaltung zeigen. Die ursprünglichen Parkettböden wurden im Inneren zum grössten Teil durch Tonplatten ersetzt. Das Grundstück umfasst einen Garten mit vielen verschiedenen Pflanzenarten und einer stattlichen Blutbuche in der östlichen Ecke. Das Anwesen ist ein wesentlicher Bestandteil der historischen Häusergruppe an der Krattigstrasse, die besonders durch ihre dichte Begrünung geprägt ist.
Das Treppenhaus wurde sanft saniert (Foto: Christian Helmle).
Die behutsame Sanierung hat die einstige Farbigkeit wieder ans Licht gebracht (Foto: Christian Helmle).
Historische Radiatoren wurden wieder eingesetzt (Foto: Christian Helmle).
Text: Daniel Carvalho de Seixas
Fotos: Christian Helmle
Fachwerk 2026