Als man zalt 1637
Ein fast 400-jähriger Käsespeicher im Reichenbachtal erstrahlt nach einer sorgfältigen Restaurierung wieder in seinem ursprünglichen Zustand – und lagert noch heute Käse.

Im Reichenbachtal auf dem Weg zur Grossen Scheidegg stehen auffallend viele qualitätvolle Käsespeicher. Einer der markantesten wurde nun fachgerecht restauriert. Besonders ins Auge fallen die harmonischen Proportionen des Kleinbaus, der hohe Schwellenkranz in Holzbauweise und die Inschrift «Als man zalt 1637».
Der fast 400-jährige Speicher ist im Kern gut erhalten, benötigte aufgrund des undichten Daches und diverser Schäden am Holzwerk jedoch dringend Pflege. Ein besonderes Augenmerk galt dem speziellen Sockelbereich. Um ihn wieder vollständig freizulegen, passten die Handwerker das veränderte Terrain an und brachen das störende Gasflaschendepot in Massivbauweise unter dem Speicher ab. So konnte der Schwellenkranz in Holz geflickt, originalgetreu ergänzt und wieder auf Natursteine gestellt werden. Das auf der Rückseite fehlende Vordach erhielt seine ursprüngliche Grösse zurück, das Speicherdach bekam eine neue Schindeleindeckung. Weitere Holzteile wurden wo nötig ausgebessert. Der Speicher dient weiterhin der Käselagerung.
Die Inschrift an der Hauptfront war in guter Absicht, jedoch unpassend weiss übermalt worden. Der Restaurator konnte sie nachziehen und – so wie ursprünglich – schwarz ausfassen.
Diese Restaurierung geht über das unbedingt Notwendige hinaus und ist nicht selbstverständlich. Sie darf als vorbildlich bezeichnet werden.
Massnahmen
Restaurierung inklusive Schindeldach und Inschrift, Wiederherstellung originaler Sockel, 2021–2025
Bauherrschaft: Kurhaus Schwarzwald-Alp AG
Baufachleute: K. Winterberger Holzbau AG, Meiringen (Zimmerarbeiten); Kohler Bau AG, Schattenhalb (Baumeisterarbeiten)
Restaurator: Atelier Restauro, Hans Salzmann, Schwarzenegg
Denkmalpflege: Stefan Moser
Unterschutzstellung: Kanton 2022
Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/SID)
Das Baudenkmal in Kürze
Speicher von 1637
Der schöne und gut erhaltene, traditionelle Kantholzblockbau steht auf einem Steinsockel sowie (teilweise erneuerten) Speicherfüssen und einem Schwellenkranz. Das Gebäude ist mit einem Schindeldach gedeckt, dessen Giebelfeld leicht vorspringt. Ein besonderes Merkmal ist der abgeschrägte Türpfosten mit einem formschönen Lippenwulst-Sturz. Die Konstruktion wird von sehr kräftigen Blockkonsolen getragen. An der Südseite befindet sich ein Anbau, der vermutlich aus dem Ende des 18. Jahrhunderts stammt. Zum Ensemble gehört zudem eine ehemalige Sennerei, in die heute ein Restaurant eingebaut ist.
Der Käsespeicher (rechts) fügt sich nahtlos in seine natürliche und historische Umgebung ein (Foto: Christian Helmle).
Der Speicher dient weiterhin der Käselagerung (Foto: Christian Helmle).
Die Inschrift an der Hauptfront war in guter Absicht, jedoch unpassend weiss übermalt worden. Der Restaurator konnte sie nachziehen und schwarz ausfassen (Foto: Christian Helmle).
Der fast 400-jährige Speicher ist im Kern gut erhalten, benötigte aufgrund des undichten Daches und diverser Schäden am Holzwerk jedoch dringend Pflege (Foto: Christian Helmle).
Ein besonderes Augenmerk galt dem speziellen Sockelbereich aus Holz und Mauerwerk (Foto: Christian Helmle).
Ein besonderes Augenmerk galt dem speziellen Sockelbereich aus Holz und Mauerwerk (Foto: Christian Helmle).
Text: Stefan Moser
Fotos: Christian Helmle
Fachwerk 2026