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Die Kaskadentreppe – Historisches Juwel der Altstadt Erlach

In der steilen Altstadt von Erlach zieht die Kaskadentreppe alle Blicke auf sich. Ihre markante, fast skulpturale Form prägt das Gassenbild seit Jahrhunderten. Nach Jahrzehnten unter einem Betonteppich fügt sie sich nun wieder in das historisch gewachsene Strassenbild ein.

Die Kaskadentreppe prägt eines der bedeutendsten Ortsbilder der Schweiz (Foto: Alexander Jaquemet).

In der steilen Gasse der oberen Altstadt von Erlach zieht ein besonderes Bauwerk alle Blicke auf sich: die Kaskadentreppe. Über Jahrhunderte prägte sie den Charakter der Gasse und der südlichen Häuser zeile; ihre markante, fast skulpturale Form blieb bis heute erhalten. In den 1950er Jahren verschwand ihr ursprünglicher Charme: man entfernte die Naturstein stufen und überzog die Treppe mit einem dichten Betonteppich – ein Eingriff, der das Bauwerk seither optisch und baulich belastete.

Ein Bauwerk unter Spannung

Der Zement verhinderte das natürliche «Atmen» der Konstruktion. Feuchtigkeit suchte sich neue Wege – über Fassaden und Treppenmauer. Temperatur schwankungen führten zu Abplatzungen, Rissen und Korrosionsflecken. Das Zusammenspiel aus Natur stein, Zement und eingemörtelten Winkelstahlprofilen erzeugte zusätzliche Spannungen; Reparaturen hielten daher nie lange. Flickarbeiten haben lediglich Symptome bekämpft, den langfristigen Erhalt aber nicht gesichert. Eine umfassende Sanierung war da her unausweichlich – jedoch leichter gesagt als getan. Es brauchte engagierte Beteiligte, ausreichende finanzielle Mittel und ein feines Gespür für diesen besonderen Ort.

Ein Blick zurück

Gemäss dem Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz ISOS zählt die obere Altstadt von Erlach zu den bedeutendsten Ortsbildern der Schweiz: Mit ihren beidseitigen Häuserzeilen und dem gepflasterten Gassenbelag gilt sie als eines der prägendsten spätgotischen Kleinstadtbilder der Westschweiz. Die südliche Häuserzeile ist unten durch einen durchgehenden Treppenlauf und oben durch einen Lauben gang mit Rundbögen erschlossen. Dank ihrer Lage abseits des Verkehrs und dem Fehlen kommerzieller Nutzung hat sich hier ein nahezu ursprüngliches Erscheinungsbild erhalten.

Die Vorbereitung der Sanierung glich einer Zeitreise. Dank der umfassenden Recherche des Architekten Marcel Hegg kamen wertvolle Zeitdokumente zum Vorschein, die die Treppenanlage über einen Zeitraum von 50 Jahren zeigen: ein Gemälde von 1856 des Kunstmalers Jules Guillarmod sowie eine Fotografie von 1906, aufgenommen vom Sohn des Malers, dem Fotografen Jules Jacot Guillarmod.

Sanierung mit Wirkung

2025 war es so weit. Der sorgfältig ausgearbeitete Massnahmenplan hatte überzeugt und die Finanzierung war gesichert. Schritt für Schritt stellten die Steinmetze aus Murten die Kaskadentreppe mit Natursteinen und traditionellen Handwerksmethoden wieder her. Wo das Fundament nicht mehr stabil war, erneuerten sie es. Die meisten Randsteine konnten wiederverwendet werden. Heute kann die Treppe wieder «atmen»: Sie entlastet die Sockelbereiche der angrenzenden Baudenkmäler, während die gepflasterten Podeste Regenwasser versickern lassen. Die neuen Natursteinstufen sowie die Pflästerung fügen sich harmonisch in das historische Bild ein. Die Kaskadentreppe – ein kleines Stück Altstadt, das Geschichte lebendig hält und dank gemeinsamem Engagement nun für weitere Generationen gesichert ist.

Massnahmen

Sanierung der gassenseitigen Kaskadentreppe, 2023–2025

Bauherrschaft: Fünf Privateigentümer und die Stadt Erlach

Architektur: Atelier Marcel Hegg GmbH, Biel/Bienne

Baufachleute:  Burla AG, Murten (Steinmetzarbeiten)

Denkmalpflege: Michèle Bless

Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/SID)

 

Text: Michèle Bless

Fotos: Alexander Jaquemet, Marcel Hegg

Fachwerk 2026

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